Mo, 24.10.2016 | 20:00 Uhr
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Herkulessaal der Residenz München

Ann Hallenberg

als Agrippina
Kritik

Eiserne Lady. Ann Hallenberg im Herkulessaal 

Süddeutsche Zeitung 26.10.2016 (pdf-Download)

.... Wenn die schwedische Mezzosopranistin Ann Hallenberg ihr "Agrippina"-Programm im Herkulessaal der Münchner Residenz mit zwei furiosen Wut-Arien von Carl Heinrich Graun ("Britannico") und Giuseppe Maria Orlandini ("Nerone") fulminant beschließt, dann singt da eine "eiserne Lady" eher wenig glaubwürdig von mütterlicher Kränkung. Doch bei Hallenberg im nachtblau schimmernden Mantelkleid und einer Handvoll exzellenter Musiker des fantastischen Originalklang-Ensembles "Il pomo d'oro" unter der Leitung seines neuen, 28 Jahre alten Chefdirigenten Maxim Emelyanychev am Cembalo sitzt alles: Jeder Ton und jede Koloratur, jede Phrase und Begleitfigur hat soviel Überzeugungskraft, dass man dieser Frau jegliches Gefühl glaubt. ....Hallenberg und ihre immer mit ungeheurer Lebendigkeit, Prägnanz und Spannung spielenden "Begleiter" musizierten mit derselben Intensität auch Arien von Porpora (gewidmet der gleichnamigen Mutter Agrippinas) und Sammartini (gewidmet der Tante gleichen Namens).Mit Stücken von Alessandro Stradella und Arcangelo Corelli faszinierte das Ensemble "Il pomo d'oro" noch rein instrumental, bevor zwei Zugaben aus Händels "Radamisto" und "Alcina" (die durch Hörner begleitete Arie Ruggieros von der wilden Tigerin) die hohe Betriebstemperatur des wunderbaren Barock-Abends noch einmal um ein paar Grad erhöhte. Großer Applaus ....

 

Neros schreckliche Mutter. Die Mezzosopranistin Ann Hallenberg mit ihrem Programm "Agrippina" im Herkulessaal 

Abendzeitung 26.10.2016 (pdf-Download)

… Abgesehen, dass es bei einem so exquisiten Ensemble wie „Il Pomo d’pro“ auf jeden Einzelnen ankommt - das Eis ist im Nu gebrochen.
Aber es wäre angehörs der Hitzigkeit, welche die schwedische Mezzosopranistin in diesem Programm entfacht, ohnehin im Nu geschmolzen. ….

Mit spektakulärer Gesangstechnik, vergleichbar vielleicht allenfalls noch Cecilia Bartoli, schleuderte die Schwedin in der Wutarie aus Carl Heinrich Graues „Britannica“ rasende Koloraturen in den Herkulessaal, die her für ein leichtfüßiges Instrument geeignet wären, so vibrierend expressiv gestoßen wie begeisternd sauber aufgereiht. …. Vor allem aber kam die kehlige Tiefe in Giovanni Battista Sammartinis explosiven Rollenportraits ätzenden Hass verspritzen. Ann Hallenbergs Abgründe sind die schönsten.

… Alle Musiker hören sich gegenseitig zu, reagieren lustvoll aufeinander, wenn etwa die beiden räumlich getrennten Violinen sich in ihrem Sprudeln imitieren und überbieten, ja, sich mit kleinen improvisierten Neckereien zum Schmunzeln bringen.   

Verblüffendes Rollenspiel 

Süddeutsche Zeitung, SZ Extra 20.10.2016 (pdf-Download)

 

 

Programm

Georg Friedrich Händel (1685-1759) „Ogni vento“, Arie aus „Agrippina" HWV 6 | „L'alma mia fra le tempeste“, Arie aus der Oper „Agrippina" HWV 6 | "Pensieri" aria from "Agrippina" HWV 6
Nicola Antonio Porpora (1686-1768) „Mormorando anch'il ruscello“, Arie der Oper aus „L'Agrippina"
Antonio Vivaldi (1678-1741) Concerto per Oboe a-Moll RV 461
Carl Heinrich Graun (1704-1759) „Mi paventi il figlio indegno“, Arie aus der Oper „Britannico"
Giovanni Battista Sammartini (1701-1775) „Non ho più vele“, Arie aus der Oper "Agrippina"
Alessandro Stradella
(1639-1682) Sinfonia a due violini e basso continuo Nr. 7 G Dur
Arcangelo Corelli (1653-1713) Sonata da camera op. 4/4 D-Dur